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Wolfgang Helfrich (1932–2025)

Erstellt von Alexey Eremin vor 26 Tagen um 15:51 Uhr:

Die Flüssigkristall- und Soft-Matter-Gemeinschaft hat einen Wissenschaftler verloren, dessen Arbeiten das Fach nachhaltig geprägt haben. Wolfgang Helfrich, der im Jahr 2025 verstorben ist, hat grundlegende Beiträge sowohl zur Flüssigkristallforschung als auch zur Biophysik geleistet.


Nach seinem Physikstudium in Göttingen, München und Tübingen sowie der Promotion im Jahr 1961 an der Technischen Universität München war Helfrich in München, Ottawa und an den RCA Laboratories in Princeton tätig. Nach seiner Habilitation im Jahr 1967 kehrte er zu RCA zurück, wo er begann, theoretische Konzepte zur Struktur von Flüssigkristallen zu entwickeln.


Im Jahr 1970 entwickelte Helfrich bei Hoffmann-La Roche in Basel gemeinsam mit Martin Schadt das erste Flüssigkristalldisplay mit verdrillter nematischer Struktur (twisted nematic LCD). Dieses Konzept bildete die Grundlage für eine Technologie, die heute in Milliarden von Geräten weltweit eingesetzt wird.


Parallel dazu leistete Helfrich wichtige Beiträge zur Physik von Membranen. In seiner Arbeit aus dem Jahr 1973 formulierte er erstmals die heute als Helfrich-Energie bekannte Beschreibung der Biegeenergie von Membranen, die auf der Krümmung basiert und bis heute eine zentrale Rolle in der Biophysik spielt. In den folgenden Jahren entwickelte er grundlegende Konzepte zu Membranfluktuationen, entropischen Wechselwirkungen und Vesikelformen, die bis heute in verschiedenen Disziplinen Anwendung finden.


Von 1973 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 war Wolfgang Helfrich Professor für Experimentalphysik an der Freien Universität Berlin. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Robert-Wichard-Pohl-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie im Jahr 2012 mit dem Draper Prize der US National Academy of Engineering.


Wolfgang Helfrich verband theoretische Tiefe mit einem ausgeprägten Gespür für physikalische Fragestellungen. Er bewegte sich souverän zwischen Grundlagenforschung und Anwendungen und war bekannt für seine unabhängige Denkweise sowie seine kritische Haltung gegenüber starren Strukturen in Wissenschaft und Industrie.


Er wird als Wissenschaftler in Erinnerung bleiben, der neue Perspektiven in der Erforschung von Flüssigkristallen und Membranen eröffnet hat, und als Inspiration für Kolleginnen und Kollegen sowie für seine Schülerinnen und Schüler.


Die Deutsche Flüssigkristall-Gesellschaft (GLCS / DFKG) wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Letzte Änderung: 08.04.2026 -
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